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24. Juni 09

Diskurs-Gründer

von Nik

Es wird Zeit, dass man an einen Denker erinnert, dessen Nähe zur Gastrosophie auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist, der aber das gastrosophische Programm durch seine Arbeit beflügelt hat.
Michel Foucault 1926 in Portier geboren, wurde zu einem der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts. Und auch heute ist die nach ihm benannte Diskustheorie aus akademischen Zirkeln nicht wegzudenken. Gerade erst haben sich Historiker getroffen, um darüber zu debattieren, was der „Diskurs“ in ihrer Wissenschaft für einen Stellenwert hat. Man sieht, sein Denken lässt uns auch heute sprechen, denn das ist es, was ihn angetrieben hat. weiterlesen …

17. Juni 09

Reich und schön in CA

von Nik

wegweiserVergangene Nacht habe ich eine simple Feststellung gemacht. Das Wetter in unseren Breiten ist meistens zu schlecht. Wenn es nicht schneit und stürmt, dann ist der Himmel sehr oft grau oder regnerisch.

Wenn es einem nicht gefällt, missmutig durch eine graue Welt zu laufen und man das Wetter nicht ändern kann, dann muss man vielleicht seine geographische Position wechseln. Ich dachte an ein Gespräch mit meinem Onkel, der nicht verstehen konnte, wie jemand freiwillig nördlich der Alpen wohnen bleiben kann. Man braucht, so mein braungebrannter Onkel, Winterschuhe, Mäntel, Heizung, Grog und bekommt dennoch immer wieder Grippe, Husten und Schnupfen. Warum, so seine finale Frage, bleibt jemand in so etwas klimatischem wie Grönland hängen, wenn man doch auch das ganze Jahr schwimmen und in kurzen Hosen rumlaufen kann, vorausgesetzt man wohnt am rechten Ort? weiterlesen …

10. Juni 09

Maaahlzeit!

von Nik

„Maaahlzeit!“ ist für ein Buch ein wunderbarer Titel, würde man nicht gleich an die Schlangen in den Kantinen und diesen gleich hundertfach gähnend gesprochenen Gruß denken müssen. „Mahlzeit!“ hat was von Mensa, Mikrowelle und Mobile-Packs. Im Unterschied zum feinen Mittagessen, das die Wartezeit auf das Abendessen lustvoll zu verkürzen hilft, schimmert beim Begriff „Mahlzeit!“ nur der öde Bruder Sättigungsbeilage durch.

Passend zur 60 Jahr Feier des Grundgesetztes und der Bundesrepublik haben die Autoren Ingke Brodersen und Rüdiger Dammann die lobenswerte Idee entwickelt, eine kulinarische Geschichte Deutschlands vorzulegen. Diese Idee direkt mit dem Titel „Mahlzeit – 60 Jahre Deutschland – Eine kulinarische Zeitreise“ aufzupeppen, scheint beinahe so, als wolle man das Programm des ersten Deutschen Fernsehkochs in Buchform wiederholen. weiterlesen …

3. Juni 09

Viva Mexiko

von Nik

Tequila hat für mich immer etwas mit einem warmen – besser noch heißen – Sommertag zu tun.
Mit einem Glas Tequila-Sunrise in der Hand über das Meer zu schauen und der Sonne eine gute Nacht zu wünschen ist eine entspannte Art, sich mit der Natur im Einklang zu finden.

Nachdem die Tex-Mex Küche über uns Mitteleuropäer hinweggezogen ist, ohne schlimme Folgen gezeitigt zu haben, wird es nun Zeit, sich dem Getränk und den dazu passenden Gerichten einmal in Ruhe zuzuwenden. weiterlesen …

27. Mai 09

Preiswürdig: Genie-Essen

von Nik

genie-essenAn anderer Stelle habe ich bereits darauf hingewiesen, dass das schöne Buch Genie-Essen einen Preis für besondere Kreativität bekommen hat.
Nun hat dieses vor Ideenreichtum nur so sprühende Kochbuch einen Designerpreis erhalten: Genie-Essen ist der Preisträger des IF Design Award 2009 im Bereich Cross-Media. Doch das Buch ist nicht nur ausgezeichnet im Design. Es ist ein scharfes Chilli-Kochbuch und in dieser Rubrik einzigartig. Auf 360 Seiten erfährt der Leser nicht nur alles über Chillie, sondern wird auch gleich in die crossmediale Nutzung dieses interaktiven Werkes eingeweiht. Die Rezepte stehen nicht nur für scharfe Genussräume, sondern stellen unter Beweis, das man mit Chillies auch wunderbare Desserts zaubern kann. weiterlesen …

20. Mai 09

Essen fördert den Verstand

von Nik

In diesen Tagen hat sich um den Hessischen Kulturpreis so einiges an Diskussionen entzündet. Es soll ein Preis für interkulturelle Toleranz sein, doch so, wie es aussieht kann man hier nur die negative Konnotation des Wortes Toleranz – Duldung bis zu einem gewissen Gerade – erkennen.

Navid Kermani – Kölner Islamwissenschaftler – nährte den Zorn der beiden christlichen Preisträger mit einem Artikel, den er in der NZZ veröffentlichte. In diesem Artikel artikuliert Kermani – selbst bekennender Moslem – seine Gedankenbewegungen rund um das Kreuz. Das Kreuz ist für die Moslems ein anstößiges Symbol, da es in ihren Augen kein Symbol der Befreiung, sondern eines der Marter darstellt. Insofern liegt er auf der Linie vieler Katholiken, die nicht das Kreuz, sondern Christus als zentrales Symbol sehen. Gleichwohl kommt Kermani in seinem Aufsatz zu dem Schluss, dass er Angesichts des Jesus am Kreuz im Gemälde, das Guido Reni 1638 für die Basilika San Lorenzo in Lucina malte, an das Kreuz glauben könnte. Eine derartige Annäherung an den christlichen Glauben hat anscheinend noch kein Moslem gewagt, denn sofort weigerten sich Kardinal Lehmann und Peter Steinacker den Preis mit diesem Moslem entgegenzunehmen. So kam es, dass Kermani der Preis durch die Jury aberkannt wurde. Ist dies eine Form von interreligiöser Toleranz? weiterlesen …

13. Mai 09

Nobel-Drinks

von Nik

nobel-dronks1Was hamma? Ahhhh, Hauptsach aahn Alkohoohl“ murmelte mein Onkel in seinem leichten Wiener Akzent mit zufriedenem Gesicht bei der Begutachtung ausgezeichneter Bordeauxweine. Natürlich kam es ihm nicht auf den Alkoholgenuss an, sondern es ging ihm um pure Freude und die Anerkennung seines Freundes, der seinen Gewölbekeller in jahrelanger Sammlerleidenschaft mit einigen Schätzen in Flaschenform gefüllt hatte. „Für schlechte Zeiten“, wie dieser lächelnd anmerkte.

Klar. Wenn die Wirtschaft kriselt, ist man schnell bereit etwas tiefer ins Glas zu schauen. In seinem neuen Buch „Nobel Drinks“ spornt uns Michael Brückner an, sowohl unsere Impulse als auch die Krise produktiver zu nutzen. Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, dass man Spirituosen nicht nur trinken, sondern sie als Kapitalanlage nutzen kann? Manche Getränke erlebten in den letzten Jahren einen inflationären Wertzuwachs und es ist nicht abzusehen, dass sich daran bald etwas ändern wird. weiterlesen …

6. Mai 09

Molekularküche

von Nik

Textur. Vielleicht sollten wir ohne ein weiteres Wort zu verlieren einen Moment bei diesem Begriff verweilen. Denn was ist Textur für uns wenn wir über Essen sprechen? Was bedeutet Textur in verbaler, was beutet es in kulinarischer Hinsicht? Im zweiten Fall – so dachten wir – liegen die Karten offen auf dem Tisch, bzw. auf der Zunge. Dabei vergessen wir zu schnell, dass und das Kochen seit Anbeginn der Feuerstellen zu neuen Texturstellen geführt hat.

Die heutigen Grundnahrungsmittel wären ohne ihre texturelle Veränderung während des Kochvorgangs für uns zum größten Teil nicht verdaulich. Durch die Hervorbringung dieser neuartigen Textur konnte unser Kauapparat sich erheblich verkleinern uns das Kochen versetzte uns somit in der Lage, ausdifferenzierte Sprachen rund um die globalen Kochstellen einzuüben.

Die Textur der Speise ist somit nicht getrennt mit der Textur der gesprochenen Worte und der daraus resultierenden Schriftzeichensprache zu denken. Grund genug diesem kleinen Wort mehr Platz einzuräumen, als man sonst im Zusammenhang mit Kochen erübrigen möchte. Wenn wir über die Textur der Speise reden, reden wir über den Grund der Möglichkeit überhaupt sprechen zu können. Wir treffen also ganz nebenbei Aussagen über das Reden selbst. weiterlesen …

29. Apr. 09

Krisen-Sicher

von Nik

Auf Tabak und Alkohol eine Steuer zu zahlen, ist eine mittlerweile so alltägliche wie unbemerkte Sache. Da diese Produkte der Gesundheit abträglich seien, zollt man dem Staat einen Obolus für den gebotenen Genuss.
In Zeiten der Krise sorgt sich nicht nur der Einzelne, sondern auch der Staat um sein Wohlergehen. Denn wenn die Krise um sich greift, dann vermindern sich unweigerlich die Einnahmen des Staates, der sich um einen Ausgleich an anderer Stelle bemühen muss. Da in Zeiten der Krise besonders ein Wirtschaftsfaktor boomt, kann man sicherlich in diesem Fall von den USA lernen. Denn nicht zufällig schnellen die Absätze für Süßwaren in schweren Zeiten nach Oben. Man möchte ein klein wenig Trost und Geborgenheit und sucht diese – krisengeschüttelt – in der beruhigenden Schokolade oder dem sättigenden Softdrink. Was also liegt näher, als in Zeiten der Krise eine Zucker-Steuer einzuführen? weiterlesen …

22. Apr. 09

Geschmackswelten

von Nik

51vdvprrcyl_ss500_.jpgÜber was redet man eigentlich, wenn man über Geschmack redet? Nun ist die landläufig verbreitete Meinung bekanntlich die, dass man über Geschmack nicht streiten kann. Allerdings stellt sich dann zwangsläufig die Frage, wenn nicht über Geschmack, über was denn dann? Auch wenn die Geschmäcker verschieden sind, so kann man doch vortrefflich darüber reden: wonach etwas schmeckt, welche verschiedenen Geschmacksnuancen ein Dessert oder ein Wein auf der Zunge entfaltet. Hatten sie noch nie am Tisch eine Meinungsverschiedenheit darüber, ob etwas zu salzig, zu fad, zu bitter, zu trocken, zu scharf oder zu verbrannt sei?

Geschmack fängt – wenn man so will – schon bei der Frische an. Doch was, so muss man einmal deutlich fragen, ist eigentlich mit „Frische“ gemeint? Hier möchte ich stellvertretend auf einen der vielen famosen Artikel hinweisen, die sich in dem großartigen und vielleicht gerade deswegen so unscheinbaren Buch „Geschmackswelten – Grundlagen der Lebensmittelsensorik“ versammelt haben. weiterlesen …