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21. Nov. 07

Big night – Nacht der Genüsse

von Nik

big-night_frei.jpgSo alt wie der Kochtopf ist die Frage, ob Kochen jetzt Wissenschaft, Notwendigkeit oder Kunst sei. Viele große Geister haben versucht, diese Frage zu beantworten, ohne daran zu denken, das Kochen ohne Poesie nur Nahrungszubereitung ist. Kochen ist nicht nur ein Akt des Kleinschneidens, der Analyse, sondern vor allem ein Akt des Zusammenführens. Dieser Synthese selbst wohnt schon eine Poesie inne, die wir später auf der Zunge spüren können.

Stanley Tucci – im vergangenen Herbst an der Seite von Meryl Streep und Anne Hathaway in „Der Teufel trägt Prada“ zu bewundern – hat sich der Aufgabe gestellt und dafür nicht nur eine Hauptrolle übernommen, sondern auch selbst Regie geführt. Da sein Film bei uns nicht in die Kinos kam und völlig unberechtigt unbeachtet in der Versenkung verschwunden ist, soll an dieser Stelle eine bescheidene Würdigung dieses grandiosen Films erfolgen. weiterlesen …

14. Nov. 07

Wodka und Austern – Geschmacksbildungsvarianten

von Nik

jc05.jpgGeschmack ist eine eigenartige Sache. Man sagt, über ihn lasse sich nicht streiten. Und auch diese Aussage klingt bei näherer Betrachtung wie ein Paradox: lässt sich über Geschmack nicht streiten, da er so unterschiedlich, oder da er so eindeutig und damit unstrittig ist? Nach gängiger Meinung hat man entweder Geschmack, oder man hat keinen. Der Geschmack scheint eine Art letzte göttliche Bastion in einem selbst zu sein. Denn wenn man ihn im einfach so hat, ist man mit ihm gesegnet. Andererseits lässt diese Definition außer Acht, dass der Geschmack von Außen kommt. Denn schließlich geht der Geschmack ganz ursprünglich mit dem Schmecken einher. Unmittelbar erfahren wir über unseren Geschmack, ob uns etwas gut tut, oder ob wir es ausspucken müssen. Darüber hinaus verfeinern wir unseren Geschmack je nachdem, wie viel wir ihm zu Experimentieren geben. weiterlesen …

7. Nov. 07

Thomas Mann kulinarisch

von Nik

thomas-mann-_frei.jpg„In weiten Kreisen bin ich, glaub` ich, als Schilderer guter Mittagessen bekannt“. Im Unterschied zu einem anderen Literatur-Nobelpreisträger war Thomas Mann ein Vorbild an Bescheidenheit und ein wahrer Meister des analytisch klugen Wortes. Seine sanften Töne ließen nichts an notweniger Schärfe vermissen und wirkten weit länger und unterschwelliger, als ein polterndes Donnerwetter. Thomas Mann war ein Gourmet des geschriebenen Wortes und diese Technik entwickelte er nicht nur durch seine Liebe zu guten Speisen, sondern vor allem durch die Verflechtung kulinarischer Offenbarungen und den sie verzehrenden Personen. weiterlesen …

30. Okt. 07

Das Bier der Simpsons

von Nik

simpsons2.jpgEs gibt Biere, die jeder kennt. Und es gibt Biere, die jeder kennt und die dennoch niemand getrunken hat. Das glauben sie nicht? Nun, ich kann ihnen von einem weltbekannten Bier erzählen und ich bin sicher, dass es noch nie getrunken worden ist. Ich weiß mit Sicherheit, dass es nicht nur in Europa, Nord- und Südamerika, sondern auch in Australien und großen Teilen von Asien eine große Fangemeinde dieser Biersorte gibt. Dennoch sind diese Bierfans allesamt Theoretiker. weiterlesen …

22. Okt. 07

Zaubertrank

von Nik

Vielleicht wird eines Tages die Geschichte der berühmtesten Comicfigur Europas noch einmal neu geschrieben. Und vielleicht wird es diese Geschichte sein, welche der realen Erzählung und der ihr eingeschriebenen Mythologie am nächsten kommt. Es gibt unzählige Studien zu den Asterix-Comix. Man prüft historische Gegebenheiten, reale Figuren und ihre Aussprüche. Es liegt sogar eine soziologische Untersuchung der Dorfgemeinschaft vor. Verblüffender Weise aber meiden alle diese Untersuchungen den zentralen Punkt des kleinen gallischen Dorfes, dieses unscheinbare Etwas, das selbst scheinbar nichts darstellt, allerdings die gesamten Geschichten erst ermöglicht. Schauen wir noch einmal genauer über diesen Rand und werfen einen Blick in das Innere des Kochtopfs. weiterlesen …

16. Okt. 07

Apocalypse now – die Grenzen der Esskultur

von Nik

apocalypse_frei.jpgWenn wir Angst haben, uns durch unser Essen zu vergiften, sind wir dann nicht mit unserer Kultur am Ende? Francis Ford Coppola geht dieser Frage, der Grenze von Kultur in seinem ausufernden Film Apocalypse Now – Redux auf beeindruckend vielschichtige Weise und stets in Nähe des Tellerands nach.

Es ist kein Zufall, dass der Film Anleihen aus Joseph Conrads Klassiker „Herz der Finsternis“ bezieht. Im Roman wie im Film geht es um die Grenzen der Kultur: Wie weit haben unsere Normen noch eine Gültigkeit? Können wir über Leben und Tod bestimmen? Können wir unsere Kultur als überlegen definieren? Dürfen wir andere Menschen unterdrücken? Kann Rausch Klarheit verschaffen? Coppola vertieft diese Fragen, indem er sie an die Grenzen der Kultur, die im Krieg in Barbarei abstürzt und des Bewusstseins, das nur in klaren Momenten von seiner eigenen Befangenheit weiß.

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10. Okt. 07

Animiertes Leben – Rémy

von Nik

ratatouille.jpgVielleicht musste erst eine Ratte das Kochen lernen, damit ich auf die Idee kommen konnte, ihrem Alter Ego in Stoff einen Ehrenplatz in der Nähe meines heimischen Herdes anzubieten. Hier nun werde ich ihr ganz unscheinbar ein Denkmal setzen, ist sie doch das erste – wenn auch animierte – Lebewesen, über das an dieser Stelle ein zweites Mal gesprochen wirdy: Vgl.:http://www.wojtko.de/2007/07/18/ratatouille-goes-pixar/

In der vergangenen Woche ist nun Rat-a-too-ee, wie das bekannte provenzalische Gericht im Mutterland der Burgerketten ausgesprochen wird, in unseren Kinos angelaufen. Er ist nicht nur ein kulinarisch wertvoller Film, er wird sie verwandeln und glauben sie mir: sie werden Rémy, diesen wahren Erben des Meisterkochs Auguste Gusteau in ihr Herz schließen. weiterlesen …

26. Sep. 07

Ein Jubiläum – Norbert Elias zum 110. Geburtstag

von Nik

elias.jpgTausend Jahre ist es her, da erregte ein Skandal unerhörten Ausmaßes die abendländische Welt. In Venedig glaubte man den Tag des jüngsten Gerichts aufziehen zu spüren, denn eine ungeheure Freveltat ereignete sich im elften Jahrhundert in der Lagunenstadt. Die Prinzessin von Byzanz erhitzte die Gemüter der bei Tisch versammelten Edelleute. Nicht weil diese Dame einen Dogen ehelichte, sondern weil sie die gesamte christliche Etikette teuflisch verunglimpfte. Sie ehrte Gottes eigene Speisen nicht dadurch, dass sie diese mit der vom himmlischen Vater für genau diese Zwecke vorgesehene eigene Hand zum Munde führte. Nein! Sie schien mit dem Leibhaftigen höchst selbst im Bunde, denn sie wagte es, die Speisen nicht mit den Fingern zu berühren. Der Skandal: sie verwendete eine Gabel. weiterlesen …

19. Sep. 07

Le Moissonnier

von Nik

moissonnier.gifManchmal, wenn es Novembergrau ist wie so oft in diesem Sommer, überkommt mich das Gefühl, die Stadt, die sich so öd und Regenverhangen zeigt, zu verlassen und auf Reisen zu gehen. Vielleicht in die Sonne, vielleicht aber auch nur an die See, die ihren eigenen Charme entwickelt, wenn der Regen mit den sturmgepeitschten Wellen ein Bündnis eingeht, das den Himmel und den Horizont ein paar Meter vom Betrachter entfernt ununterscheidbar miteinander verbindet und die Gedanken so klar werden lässt, dass sie berauschend zu verschwinden scheinen. Der Kopf wird wach und ein Gefühl des unendlichen Glücks beschleicht allmählich den noch ahnungslosen Körper. weiterlesen …

12. Sep. 07

Homo Sapiens

von Nik

michel-serres.jpgManchmal kann man sich fragen, was Leute, die über Essen schreiben eigentlich so machen, wenn sie ihrem Beruf nicht schreibend sondern eben essend nachgehen. Sitzen sie da, löffeln, dippen, schneiden, trinken, kauen und überlegen sich in diesem Moment, wie sie die Textur beschreiben können, den Aromen-Akkord, die feine Milde, die Überlagerung, den sanften Abgang, von denen sie dann später schreiben?

 Vielleicht sollten sie alle einmal den Eloquentesten aller Gastrosophen zu Rate ziehen, den alten weisen Mann, der seit Jahren Mitglied der Académie Française ist, sein Buch über die Fünf Sinne aufschlagen und nachlesen, was er über die Zunge zu sagen hat. weiterlesen …