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Allens pure Koch-Anarchie

von Nik zu 27. Mai 2008

woody_frei.jpgEs wird Zeit, endlich einen Mann zu feiern, dessen körperliche Gestalt zumeist den Blick darauf verbaut, dass er ein wahrer Meister der Gastrosophie ist. Hand aufs Herz: wer denkt schon bei dem kleinen, quirligen Woody Allen an die Kunst des Essens? Fast scheint es so, als würde er lediglich am Ende der Woche oder zum Abschluss des Drehs unwillig eine Scheibe Toast zu sich nehmen, um den Fencheltee, den er zur Beruhigung seiner Nerven literweise in sich hineinkippt auch wirklich bei sich behalten zu können. Weit gefehlt. Betrachtet man seine Filme, wird man feststellen, dass sie Arrangements bei Tisch nie zufällig gewählt sind. Allen ist auch hier ein Perfektionist, Nahrung und mehr noch die Getränke sind nie bloße Staffage, sie sind stets mehr als ihr Schein.

Allen Stewart Konigsberg – so sein gebürtiger Name, in dem, denkt man an die bekannten Klopse mit Kapernsauce, die gastrosophische Verpflichtung schon durchschimmert – hat sich im Alter von mehr als siebzig Jahren endlich Zeit genommen, die Probleme der Nahrungsaufnahme zu analysieren. Ein wahnsinniges Unterfangen, wenn man bedenkt, dass man sich in jedem Restaurant zwangsläufig für mindestens ein Gericht nebst passender Beilage entscheiden muss und das auch noch bevor der Laden dicht macht.

In der vom Schweizer Verlag Kein&Aber herausgegebenen Sammlung seiner neuen Stories „Pure Anarchie“ kann man nun den Beweis für Allens Hang zu guten Nahrungsmitteln finden. Es gibt fast keine Geschichte, die ohne Essen auskommt. Seine beste Story: „Also aß Zarathustra“ spielt nicht nur mit einem Zitat seines Leibphilosophen Friedrich Nietzsche, sie gehört auch kulinarisch zum schier Überphilosophischen.

Aber damit nicht genug, denn schließlich kann man die Profis der Polizei von Amarillo dabei belauschen, wie sie ein Pärchen verdächtigen, da dieses zu gut gegessen hat. Nach guten alten Hausrezept wird ein geharnischter Streit beigelegt: mit Hilfe einer herrlichen Kohlroulade, um an dieser Stelle nur die unauffälligen gastrosophischen Erkenntnisse dieses wundervollen Buches zu nennen.

Es wird also Zeit, sich die kurzweiligen, vor Intelligenz sprühenden Geschichten des Alt-Meisters des Kinos und der Worte einzuverleiben

Santé! 

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