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Lockfutter für Sentinelesen

von Nik zu 2. März 2011

Hand aufs Herz: haben sie schon einmal von den Sentinelesen gehört? Wenn man das Wort auseinander nimmt, kann man Sentinel und Essen heraushören: Wächter des Essens.

Die Sentinelesen bewohnen die knapp 60 Quadratkilometer große Insel Nord Sentinel, die von Riffen umgeben knapp 1000 km östlichen von Indien liegt. Die Sentinelesen stellen für Indien eine wichtige Bevölkerungsgruppe dar, da sie wohl von den ersten Bewohnern Indiens abstammen, welche vor 70.000 Jahren von Afrika kommenden den Subkontinent und die Inseln in der Umgebung bevölkerten.

1880 landete der 1. Europäer auf der Insel, verschleppte einige Ureinwohner, die allerdings kurze Zeit später starben. Seit dieser Zeit wehren sich die Sentinelesen gegen Eindringlinge auf ihrer Insel. Selbst Leopold III., der ehemalige König von Belgien musste in Begleitung von Heinrich Harrer – Bergsteiger und SS-Mitglied, der duch seine Freunschaft zum Dalai Lama und sein Buch „7 Jahre in Tibet“ ein erfolgreicher Autor wurde –  unverrichteter Dinge den Rückzug antreten, da die Sentinelesen ihn mit giftigen Pfeilen vertrieben.

Die indische Regierung verbietet zum Schutz der Ureinwohner mittlerweile jedes Betreten der Insel. Allerdings wird dieses Verbot alle 10 Jahre für kurze Zeit außer Kraft gesetzt, da im gesamten Regierungsbereich eine Volkszählung (You count, therefore we count) durchgeführt wird. Die Schwierigkeit für die Volkszähler besteht allerdings nicht in den Giftpfeilen, sondern vor allem darin, dass die Sentinelesen eine Sprache sprechen, die niemand versteht und sie allen Fremden gegenüber feindlich eingestellt sind.

Die Volkszählunsbeamten entschlossen sich, dem Beispiel des Fotografen Raghubir Singh zu folgen, denn dieser erstellte 1975 eine Aufsehen erregende Fotoserie über diese weltabgewandten Inselbewohner, indem er sie mit Kokosnüssen und anderen kulinarischen Köstlichkeiten an den Strand vor seine Kamera lockte. Seitdem wird zu jeder Volkszählung Essen in Säcken auf die Insel verfrachtet. Wie Debarshi Dasgupta in der aktuellen Ausgabe von Outlook India berichtet, warten die Volkszählungsbeamten auf Schiffen ab, bis sich die Bewohner an den Strand begeben, um die Nahrungsmittel an sich zu nehmen. In diesem Moment schießen sie ein Foto, um den Anforderungen der Volkszählung möglichst exakt nachzukommen.

Mit dieser „Locken und Schießen“ genannten Methode kam man bei der letzten Volkszählung 2001 zu dem Ergebnis, dass sicher 39 Menschen auf der Insel wohnen, allerdings vermutet man die genaue Zahl etwas höher. Nach dem Tsunami von 26. Dezember 2004 ist man neugierig, wie viele Sentinelesen nun zum Essen fassen an den Strand drängen.

Bei rund 1,19 Milliarden Indern dürfen wir gespannt sein, ob die Einwohnerzahl dieses abgeschiedenen Eilands über oder unter 40 liegt. Vor allem aber, welche Nahrungsmittel sie bevorzugt vom Strand mit ins Inselinnere nehmen.

Santé!

http://www.outlookindia.com/article.aspx?270616

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