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Weinfälschung

von Nik zu 29. Juni 2011

In den letzten Wochen sind wir nicht nur auf einzelne Skandale im Kunstmarkt aufmerksam gemacht worden, sondern auf ein groß angelegtes System, das anscheinend viele an diesem Markt partizipierende Faktoren miteinander verbindet und so das System der Fälschung zu einem Markt werden lässt, in welchem sich vortrefflich Geld verdienen lässt.

Natürlich kann einem bei solchen Meldungen direkt der Wein im Halse stecken bleiben, denn es ist teilweise ernüchternd, welche kunstmafiösen Strukturen sich hier zu erkennen geben. Allerdings ist es kein Zufall, wenn der Wein ob solcher Meldungen nicht recht schmecken will. Hier sind die Sinne schneller als der Verstand. Denn es gibt mittlerweile auch einen breit angelegten dunklen Markt zur Fälschung sehr teurer Weine.

In seiner aktuellen Ausgabe berichtet The Economist unter der richtungsweisenden Überschrift „Château Lafake“ von diesem immer stärker um sich greifenden Problem. Mit dem Wein ist es offensichtlich wie mit der Kunst: Weinkenner wie Kunstsammler erkennen selten den Unterschied, der sich zwischen Original und Fälschung auftut, vorausgesetzt die Fälschung ist professionell. Die Kunstfälschung existiert schon seitdem die Kunst eine gesellschaftlich relevante Rolle spielt. Beim Wein lohnt sich die Fälschung erst, seitdem die Preise für Spitzenweine in schwindelerregende Höhen geschossen sind.

Mittlerweile kann man leere Lafite-, oder Latourflaschen samt Korken für ein paar hundert Euro im Internet ersteigern und mit einem vergleichsweise günstigen Wein befüllen. Natürlich ergeben sich auch durch die Bestechung von Kellnern in Edelrestaurants Möglichkeiten, leere Flaschen samt Korken zu erwerben.

Das System ist inzwischen derart umfassend, dass auch Händler nicht vor Betrug geschützt sind. Denn es kann geschehen, dass auch sie einen Wein erwerben und an den Kunden bringen wollen, der vorher schon gefälscht worden ist. Das Problem greift um sich und dennoch schweigt die Weinindustrie. Sicherlich, denn ein Problem dieser Größenordnung stellt für Spitzenweine ein Problem dar: sollte es bekannt werden, muß man mit Umsatzeinbußen unbekannten Ausmaßes rechnen.

Umgekehrt stellt sich allerdings die Frage, ob nicht gerade jetzt der Zeitpunkt gekommen sein sollte, offensiv von Seiten der Winzer und des Weinvertriebes mit diesem Problem umzugehen. Denn zum einen ist man nicht wie ein Maler auf sich alleine gestellt und riksiert bei anhaltendem Stillschweigen seinen guten Ruf und das Vertrauen seiner Kunden zu verlieren, was sicherlich eine wirtschaftliche Katastrophe bedeuten würde.

Letztlich will man sich ja weder als Winzer, noch als Händler und erst recht nicht als Weintrinker mit einer Fälschung arrangieren, sondern das Original sicher genießen.

 

Santé!

 

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