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Apocalypse now – die Grenzen der Esskultur

von Nik zu 16. Oktober 2007

apocalypse_frei.jpgWenn wir Angst haben, uns durch unser Essen zu vergiften, sind wir dann nicht mit unserer Kultur am Ende? Francis Ford Coppola geht dieser Frage, der Grenze von Kultur in seinem ausufernden Film Apocalypse Now – Redux auf beeindruckend vielschichtige Weise und stets in Nähe des Tellerands nach.

Es ist kein Zufall, dass der Film Anleihen aus Joseph Conrads Klassiker „Herz der Finsternis“ bezieht. Im Roman wie im Film geht es um die Grenzen der Kultur: Wie weit haben unsere Normen noch eine Gültigkeit? Können wir über Leben und Tod bestimmen? Können wir unsere Kultur als überlegen definieren? Dürfen wir andere Menschen unterdrücken? Kann Rausch Klarheit verschaffen? Coppola vertieft diese Fragen, indem er sie an die Grenzen der Kultur, die im Krieg in Barbarei abstürzt und des Bewusstseins, das nur in klaren Momenten von seiner eigenen Befangenheit weiß.

Es ist kein Zufall, dass der Film in einem Alkoholrausch beginnt. Capitain Willard weiß nichts mit seiner freien Zeit anzufangen. Er, der Mann in der Befehlskette erträgt diesen Zustand der Freiheit lediglich im Delirium.

Es ist kein Zufall, dass er seinen so sehnlich erwarteten Auftrag bei einem Mittagessen bekommt. In aller Ruhe werden die einzelnen Komponenten des Essens aufgezählt: „Wenn wir das überleben, können wir uns um ihren Auftrag kümmern.“

Willard bekommt seinen Auftrag. Er soll einen Musterschüler des Militärs, der anscheinend der Sonne zu nahe gekommen ist umbringen. Natürlich im rechtlosen Zustand. Weder kann er sich auf seinen Auftrag berufen, denn er wird auf sich allein gestellt sein. Noch weiß er nach einiger Zeit, welche Seite für ihn die Richtige ist.

Erst recht ist es kein Zufall, das Willard in dem kleinen Patrouillenboot, das ihm zu seinem Einsatzort bringen soll auf einen Saucier aus New Orleans trifft. Denn schließlich offenbart dieser ihm die wahre Barbarei Amerikas. Als erste Amtshandlung beim Militär musste er zusammen mit allen anderen angehenden Köchen Kübelweise bestes Rindfleisch in Töpfe mit kochendem Wasser werfen. Danach konnte für den der kochen wollte nichts Schlimmeres mehr passieren.

Natürlich werden sie noch einmal bei französischen Siedlern eingeladen. Das morbide Essen beschließt ein letztes Mal das Zusammensein in einer kulturellen Tradition, die selbst das Essen und den guten Rotwein dem Hang zur Vernichtung unterordnet. Willard kann auch diese Episode, die fast wie ein entferntes Glücksversprechen wirkt, letztlich nur im Rausch erleben. Ein flüchtiger Moment, der nur so glanzvoll aufscheinen kann, als ewr schon im Verschwinden begriffen ist.

Es ist allerdings erst recht kein Zufall, wie dann der große Widersacher endgültig getötet wird. Durch die Schnittfolge erleben wir ein Opferritual. Etwas Großes – sei es ein bulliger Mann oder ein Ochse – muss sterben, damit die Menschen von ihm leben können. Das Blut wirkt dabei wie der Keim für zukünftiges Leben.

Danach braucht man passend ein Glas Rotwein.

Santé!

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